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„Müller werden.
Ganz anders,
als Du denkst.“

Verfahrenstechnologe/-technologin Mühlen- und Getreidewirtschaft – Fachrichtung Müllerei

Natur trifft Hightech

Wer heute eine moderne Mühle betritt, taucht in eine hochtechnisierte Welt ein, digital und computergesteuert, komplett automatisiert und mit gesicherter Rückverfolgbarkeit, vom Getreide auf dem Acker bis zum versandfertigen Mehl.

Verfahrenstechnologen, wie die MüllerInnen heute heißen, überwachen die Qualität des Getreides während der Verarbeitung im Betrieb. Die Prozesssteuerung der Anlagen mittels Computer gehört genauso zum Berufsbild wie die Arbeit im Labor, wo die Analyse der angelieferten Rohstoffe und die Produktkontrolle stattfinden. Hochtechnisierte Verfahren gewährleisten die Qualität, Hygiene und Sicherheit der hergestellten Produkte. Dafür ist zunächst Spezialwissen zu den Getreidequalitäten gefragt. Getreide ist ein Naturprodukt und jede Ernte, jede Lieferung stellt eine neue Herausforderung für die Müller dar. Das Gespür für den Rohstoff ist von keiner Technik zu ersetzen: Müllerisches Knowhow ist gefragt, um aus heterogenen Naturprodukten homogene Getreideprodukte mit gleichbleibenden Eigenschaften herzustellen, die Bäcker und Lebensmittelindustrie brauchen.

 

Ein Beruf mit Verantwortung

Die Verfahrenstechnologen Mühlen- und Getreidewirtschaft, sind gemeinsam verantwortlich für die Versorgung von über 80 Millionen Menschen mit Grundnahrungsmitteln aus Getreide: Ohne die große Mehlvielfalt sind die reichhaltige Brotauswahl und die Vielfalt der Gebäcke ebenso wie viele andere Lebensmittel, wie Pizza und Kindernahrung nicht denkbar. Für Viehwirtschaft und Haustiertierhaltung stellen die Müller mit der Kleie ein wichtiges Futtermittel her.

Schon gewusst? Abgesehen von Staub und Spreu oder anderen Verunreinigungen, wie Erde und Steinchen, entsteht in Mühlen kein Abfall. Das Getreide wird für den menschlichen und tierischen Verzehr vollständig verwertet.

 

Zukunftssicher, lokal wie global

Da Verfahrenstechnologen sehr gefragt sind, sind die Übernahmechancen nach dem Abschluss sehr gut. Arbeitslose MüllerInnen gibt es in Deutschland so gut wie gar nicht.

Zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen geben jungen Menschen gute Aussichten auf einen sicheren Arbeitsplatz – in Deutschland, Europa oder der ganzen Welt. Da es nur im deutschsprachigen Raum die grundständige Ausbildung zur Müllerin bzw. zum Müller gibt, sind Verfahrenstechnologinnen/-technolgen weltweit gesuchte Fachleute. MüllerInnen aus Deutschland, der Schweiz oder Österreich haben beste Chancen auch im Ausland zu arbeiten und zu leben.

Die deutschen Unternehmen bieten ihren Beschäftigten neben einem zukunftssicheren Arbeitsplatz mit guter Bezahlung auch eine betriebliche Altersvorsorge durch die Müllereipensionskasse. Neben der Mühlenwirtschaft stehen MüllerInnen Karrierewege im Anlagen- und Maschinenbau sowie in der Zerkleinerungstechnik offen.

 

Welcher Bildungsabschluss wird erwartet?

Gute Voraussetzung für den Ausbildungsgang bieten ein Hauptschulabschluss mit guten Leistungen in Mathematik und Physik, ein Realschulabschluss oder das Abitur. Wichtig für den Beruf sind Spaß im Umgang mit dem Naturprodukt Getreide, gutes Organisationsvermögen und Flexibilität, kaufmännisches Geschick, handwerkliches Talent und technisches Verständnis.

 

Inhalt und Verlauf der Ausbildung

Der klassische Weg in die Mühlenwirtschaft ist die dreijährige duale Ausbildung zur Verfahrenstechnologin/zum Verfahrenstechnologen Mühlen- und Getreidewirtschaft. Die Ausbildung lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen auf zwei Jahre verkürzen. Auch Quereinsteiger aus anderen Berufen haben gute Einstiegsmöglichkeiten.

Neben der betrieblichen Ausbildung im Unternehmen wird die Fachtheorie im Blockunterricht in einer der darauf spezialisierten Berufsschulen in Wittingen/Niedersachsen oder in Stuttgart absolviert; dort werden auch die fachpraktischen Kenntnisse vertieft.

Die Auszubildenden erlernen Technologien der Getreideverarbeitung, die Arbeit im Labor, Verfahren der Qualitäts- und Hygieneprüfung sowie der Produktsicherheit und Grundlagen in Betriebswirtschaft und Recht.

Die konkreten Ausbildungsinhalte zum Nachlesen findest Du in der Umsetzungshilfe zum Beruf, herausgegeben vom Berufsinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Mehr zur Ausbildungsordnung erfährst Du hier:

Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung für angehende Verfahrenstechnologen ist regional sehr unterschiedlich. Sie liegt aber im Vergleich zu anderen Berufen der Lebensmittelwirtschaft über dem Durchschnitt. Folgende Angaben können als Orientierung dienen:

   1. Ausbildungsjahr: 650 bis 700 Euro
   2. Ausbildungsjahr: 740 bis 830 Euro
   3. Ausbildungsjahr: 820 bis 970 Euro

Das Einstiegsgehalt von Gesellen liegt um 26.500 Euro Jahresgehalt zzgl. Branchenüblichen Zuschlägen für Arbeit an Feiertagen, Wochenenden und in der Nacht.

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„Nach meinem Studium habe ich als Technologe für Bühler acht Jahre weltweit Inbetriebnahmen durchgeführt. Ich war dafür in Nord- und Südamerika, Zentralamerika, Asien und Afrika."

Martin Bärtich, Müllermeister

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„Was meine Leidenschaft an der Müllerei weckt? Aus Getreide Mehl herzustellen ist etwas, das unsere Kultur seit Generationen, Jahrhunderten, Jahrtausenden hinweg begleitet. Die Müllerei ist eine Branche, die dauerhaft gebraucht wird und eine Branche, auf die auch immer mehr Fragen zukommen. Wenn man Fragen zu beantworten hat, hat man auch eine Rechtfertigung in der Zukunft."

Michael Gutting, Müller und Betriebswirt

Wo arbeiten MüllerInnen?

Klassischerweise arbeiten Verfahrenstechnologinnen und Verfahrenstechnologen der Fachrichtung Müllerei in Mehl- und Schälmühlen, Futtermittelwerken sowie Öl- und Gewürzmühlen. Zudem stehen Müllerinnen und Müllern Karrierewege in der Ernährungswirtschaft, der Qualitätssicherung sowie im Anlagen- und Maschinenbau und in der Zerkleinerungstechnik offen.

MüllerInnen sind gefragte Arbeitskräfte im In- und Ausland!

 

Welche Aufstiegschancen gibt es?

Nach erfolgreicher Abschluss- oder Gesellenprüfung gibt es für Verfahrenstechnologinnen und Verfahrenstechnologen Mühlen- und Getreidewirtschaft viele Möglichkeiten zur Weiterbildung.

 

Müllermeisterin / Müllermeister

Ein Weg führt über eine Fortbildung zum Müllermeisterin/zur Müllermeister (HwO) an der Gewerblichen Schule Im Hoppenlau in Stuttgart. Die Qualifikation zum Müllermeisterin/zur Müllermeister wird im europäischen Qualifikationsrahmen auf der Ebene eines Bachelorabschlusses eingestuft und ermöglicht in Deutschland auch den Zugang zu Hochschulen.

Nach abgeschlossener Meisterausbildung in Stuttgart eröffnet sich für die Meister der Weg zur Schweizerischen Müllereifachschule in St. Gallen. Der dortige Abschluss zur Müllereitechnologin/zum Müllereitechnologen ist in der Müllereibranche weltweit hoch angesehen. Tätigkeitsfelder für die Absolventen liegen in der Betriebsleitung großer Mühlenbetriebe und im Bereich der Planung und Inbetriebnahme von Mühlenbetrieben.

 

Staatlich geprüfte Techniker/-innen Fachrichtung Mühlenbau, Getreide- und Futtermitteltechnik

Die Deutsche Müllerschule Braunschweig (DMSB) bietet eine zweijährige Fortbildung zur staatlich geprüften Technikerin bzw. zum staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung „Mühlenbau, Getreide- und Futtermitteltechnik“ an. Eine von zwei möglichen Spezialisierungen an der DMSB ist der Schwerpunkt „Müllereibezogener Anlagenbau“. Hier werden die zukünftigen Projektleiter/-innen der Mühlen- und Anlagenbaufirmen ausgebildet. Die zweite Spezialisierung an der DMSB ist der Schwerpunkt „Müllereibezogene Verfahrenstechnik“. Hier werden die zukünftigen Führungskräfte der Produktionsbetriebe ausgebildet. Viele Schüler/-innen legen parallel auch die Meisterprüfung vor der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade ab.

Mit dem Abschlusszeugnis geht hier immer die Erlangung der Fachhochschulreife einher. In einigen Bundesländern öffnet der/die „Staatlich geprüfte/r Techniker/-in“ auch den direkten Zugang zu einem Hochschulstudium oder berechtigt zur Teilnahme an Eingangsprüfungen für die Hochschulen.

 

Industriemeister/-in

Daneben besteht die Möglichkeit zur Fortbildung zur Industriemeisterin/zum Industriemeister in der Fachrichtung Lebensmittel (IHK).

 

Studium

Der Meisterbrief ermöglicht auch die Aufnahme eines (Fach-)Hochschulstudiums in vielen technischen und ernährungswirtschaftlichen Studiengängen.

Da der Zugang zur Hochschule von den einzelnen Bundesländern geregelt wird, empfiehlt sich in jedem Fall die Nachfrage bei der Studienberatung der gewünschten Fachhochschule/Hochschule.

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„In meinem Beruf gibt es Technik und Biologie, ich habe mit Menschen zu tun und mit Maschinen. Er hat alles, was man sich so für einen abwechslungsreichen Beruf wünschen kann.“

Vanessa Rückauer, Müllerin

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„Müller ist ein guter Beruf mit vielfältigen Möglichkeiten. Als Meister und Techniker ist man gut angesehen in Deutschland und findet überall einen gut bezahlten Job. Ich finde keinen Grund, der dagegen spricht, Müller zu werden.“

Robert Kümmel, Azubi

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